Kennedy, die DDR und ich

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Ich heiße Klaus H., wurde 1944 in Leipzig geboren und verbrachte meine Kindheit und Jugend in dieser Stadt. Mein junges Leben wurde geprägt von vielen Ereignissen:

Als Junge von 9 Jahren erlebte ich den Volksaufstand am 17. Juni in Leipzig hautnah und begriff noch nicht, was da eigentlich passierte. Unser Klassenlehrer betrat unser Klassenzimmer, nahm das Bild von Stalin von der Wand und sprach: "Kinder geht schnell nach Hause der Aufstand ist ausgebrochen."

Zuhause saß Vater am Radio und hörte RIAS-Berlin um sich zu informieren. Meine Mutter in großer Sorge (der Krieg war ja erst seit 8 Jahren vorbei) ermahnte mich, nicht die Straße zu betreten. Es rollten russische Panzer und Schüsse fielen. Jeder Tag des Schulbesuchs war geprägt von Nachrichten, dass diese oder jene Familie oder Lehrer nach dem Westen gegangen waren. Man begriff die Welt nicht mehr.
Die Lage beruhigte sich wieder, da traf mich 1958 der nächste Schock. Mein Vater wurde aus politischen Gründen verhaftet und nach Halle in das berüchtigte Stasi-Gefängnis "Roter Ochse" verbracht. Für meine Mutter brach eine schwere Zeit an. Beeindruckend fand ich die Solidarität der Hausbewohner unserer Familie gegenüber. Nach einem halben Jahr erfolgte die Freilassung meines Vaters mit dem Urteil " Freispruch mangels Beweise". Der Denunziant hatte sich nach dem Westen abgesetzt.
Meine Wut auf diesen Staat DDR begann langsam zu wachsen und fand mit dem Mauerbau am 13. August 1961 seinen Höhepunkt. Ich schmiedete mit meinem Freund Erwin Pläne, diese DDR zu verlassen, die wir dann aber nach den ersten Mauertoten schnell wieder fallen liesen.

Der große Hoffnungsträger in dieser Zeit hieß dann John F. Kennedy. Ich war zum Zeitpunkt des Attentats Auszubildender im 3. Lehrjahr. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich davon im Radio auf der Arbeit erfahren.
Alle Kollegen haben mit Bestürzung reagiert und ihre Betroffenheit zum Ausdruck gebracht. Das war natürlich nicht im Interesse der Politik der SED und sofort begannen die Funktionäre in den Arbeitskollektiven mit Gegenpropaganda, was in der Belegschaft auf Ablehnung stieß.
Seine Ermordung löste bei mir und den meisten Bürgern dieses Landes tiefe Bestürzung aus. Unsere Hoffnungen schwanden und unser Mut, aufzubegehren war dahin. Man richtete sich in diesem Staat DDR ein und meine Entwicklung nahm einen völlig anderen Verlauf, als ich mir das in meinen Jugendträumen vorgestellt hatte. Und es bringt mich heute immer wieder in Rage, wenn sich Menschen aus den alten Bundesländern anmaßen, über unsere Entwicklung in der DDR zu urteilen.

 



Persönliche Homepage des Kennedy-Sammlers
Peter W. Klages