Schweinebucht

Diesen Artikel weiterempfehlen!
Die Schweinebucht (spanisch: Bahía de Cochinos) ist eine Bucht an der Südküste Kubas. Und wenn auch im Englischen von der "Bay of pigs" die Rede ist, so handelt es sich hier doch um einen Übersetzungsfehler, denn mit dem spanischen Wort "Cochinos" sind in diesem Fall die im kubanischen Sprachgebrauch ebenso bezeichneten karibischen Drückerfische gemeint. Die Schweinebucht hat eine Fläche von etwa 168 km² bei einer Breite von 14 und einer Tiefe von 45 Kilometern.   

1959 übernahm Fidel Castro mit seinen Revolutionären die Regierung Kubas. Innerhalb mehrere Jahre war es ihm gelungen, seinen Vorgänger, den Diktator Fulgencio Batista, zu stürzen. Kaum an der Macht, begann Castro die Prinzipien eines kommunistischen Staates auf sein Land anzuwenden. Er enteignete die Großgrundbesitzer und die Industrie. Ländereien und Firmen gehörten damit nicht mehr einzelnen Personen, sondern dem Staat. Als Antwort darauf begannen die USA unter Präsident Eisenhower ihre finanzielle Unterstützung für den kubanischen Staat einzustellen. Außerdem lieferten sie kein Erdöl mehr an Kuba, womit die Energieversorgung der Insel lahm gelegt werden sollte. Doch Castro erhielt nun Öl von der Sowjetunion und entwickelte zusätzlich neue Wirtschaftsbeziehungen zu anderen kommunistischen Staaten, die in der Zeit des Kalten Krieges besonderes Interesse daran hatten, den USA zu schaden.

Die USA stoppten schließlich jeglichen Warenhandel mit Kuba. Das Land sollte durch ein Embargo wirtschaftlich ausgehungert werden und seine Abhängigkeit gegenüber der Weltmacht Amerika spüren. Dieses Embargo wurde 1992 als Gesetz unter dem Titel "Cuban Democracy Act" mit dem Ziel festgeschrieben, dem kubanischen Volk zu Demokratie zu verhelfen. Es ist weitgehend bis heute in Kraft und wurde erstmals unter Präsident Obama gelockert. Ab 2015 traten bereits erhebliche Vereinfachungen der Handels- und Reisebeschränkungen in Kraft und die USA nahmen nach über fünfzig Jahren wieder diplomatische Beziehungen zur kubanischen Regierung auf.

Nachdem John F. Kennedy am 20. Januar 1961 als Präsident vereidigt worden war, wurde er von den Geheimdiensten über Pläne zur Invasion auf Kuba unterrichtet. Diese wurden unter der Amtszeit seines Vorgängers Dwight D. Eisenhower ausgearbeitet und mit den Vorbereitungen bereits begonnen. Unter der Leitung der CIA wurde in Guatemala eine Geheimarmee aus Kubanern gebildet, die aus ihrem Land geflohen oder vertrieben worden waren, weil sie z. B. zum Geheimdienst der Vorgängerregierung gehörten oder enteignete Großgrundbesitzer waren. Sie lebten in Guatemala im Exil. Die Exilkubaner erhielten eine militärische Ausbildung, die sie darauf vorbereiten sollte, nach Kuba einzudringen und einen amerikanischen Einmarsch vorzubereiten. Sie nannten sich Brigade 2506. Da es sich im eigentlichen Sinne um eine inner-kubanische Angelegenheit handelte, war es den USA nicht möglich, einen direkten militärischen Angriff durchzuführen. Dies wäre auf internationale Proteste gestoßen, da man ihnen eine Einmischung in die Angelegenheiten eines fremden Staates vorgeworfen hätte. Doch anders sähe die Lage aus, wenn Exilkubaner von Kuba aus die USA um Hilfe ersuchen würden. Dann wäre der Weg frei gewesen für eine militärische Intervention.

Kennedy war von den ihm vorgelegten Plänen nicht begeistert und vertraute den Geheimdiensten nicht. Doch war seine Regierung erst wenige Tage im Amt und es fehlte ihm an der entsprechenden Erfahrung. Im März 1961 stimmte er der Invasion unter der Maßgabe zu, dass die Kommandanten der Landungsbrigade darüber informiert wurden, dass US-Truppen nicht eingreifen würden: Sie hätten selbst ein nennenswertes Territorium auf der Insel zu erobern, bevor Washington eine neue Regierung Kubas diplomatisch anerkennen könne. In einer öffentlichen Erklärung vom 12. April 1961 beteuerte Kennedy, dass "unter keinen Umständen eine Intervention in Kuba durch US-Streitkräfte" stattfinden würde und die US-Regierung "alles tun wird […], um sicherzustellen, dass keine Amerikaner in irgendwelche Aktionen innerhalb von Kuba involviert sind". Der von der CIA ausgearbeitete Plan ging von Geheimdienstberichten aus, die von interessierter Seite, den Revolutionsgegnern auf Kuba, kamen, die alle ihre Hoffnungen auf ein militärisches Eingreifen der USA richteten und deshalb fälschlicherweise eine breite antirevolutionäre Stimmung auf Kuba darstellten. Auch die Kampfkraft der Revolutionsgegner wurde übertrieben. Am 14. April stimmte Kennedy der Durchführung des CIA-Plans endgültig zu, behielt sich aber als Oberkommandierender für den Kriegseinsatz die Entscheidung darüber vor, ob die bereitstehenden Marineeinheiten zum Einsatz kommen.

Am 15. April 1961 bombardierten B-26-Flugzeuge der US-Luftwaffe verschiedene kubanische Flugplätze. Die Hoheitszeichen waren von den Bombern entfernt und durch kubanische Kennungen ersetzt worden. So sollte der Anschein einer Gegenrevolution erweckt werden. Allerdings wurden fünf der Bomber abgeschossen und die Aktion wurde schnell zum Thema bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Hier war Sonderbotschafter Adlai Stevenson um Schadensbegrenzung bemüht und versuchte, die offizielle Linie der US-Regierung zu vertreten. Ein zweiter Luftangriff wurde durch Außenminister Dean Rusk gestoppt, während Kennedy selbst sich bereits im Wochenendurlaub befand. Seine Abwesenheit diente auch der glaubwürdigen Leugnung einer US-Beteiligung. Seine Weisungen waren jedoch eindeutig und so entschied die CIA-Führung, die geplanten Invasion auch ohne weitere Luftunterstützung fortzusetzen.

Die eigentliche Landung an der Schweinebucht fand dann am 17. April statt. Sie bestand aus etwa 1300 Exilanten unter der Leitung von zwei CIA-Beamten und mit logistischer Unterstützung der Marine der Vereinigten Staaten. In den Folgetagen kam es noch gegen den ausdrücklichen Befehl Kennedys zur Beteiligung von weiteren B-26-Bombern, von denen zwei abgeschossen wurden. Die Besatzungen wurde als US-Bürger und Mitglieder der Air National Guard identifiziert. Die zahlenmäßig weit überlegene kubanischen Armee rieb die Invasionstruppen auf. Im Ergebnis starben etwa 90 Exilkubaner bei den Kampfhandlungen und rund 1200 wurden gefangen genommen. Letztere konnten in den nächsten Jahren überwiegend durch die Zahlungen von Lösegeldern sowie durch die Lieferung von Medikamenten und Nahrungsmitteln freigekauft werden. Einige wenige wurden hingerichtet oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 

Für einen Erfolg der Aktion wäre es zwingend notwendig gewesen, eine Landepiste für die aus Miami einfliegende "Exilregierung" einzurichten und zu halten, bis diese von Kuba aus ihren Notruf an die USA abgesetzt hätte. Dies hatte auch Kennedy als Grundbedingung für ein weiteres militärisches Vorgehen ausgegeben. Die Führungsspitze des Militärs warf Kennedy mangelnde Entschlusskraft und sogar Feigheit vor. Sie sah in Kennedys Weigerung, eine Luftunterstützung zu genehmigen, die Hauptursache für das Scheitern.

Einige Stimmen vermuten auch, dass man "sehenden Auges" der drohenden Niederlage begegnet sei, um sowohl die CIA als auch die Regierung Kennedy zu diskreditieren. So sah der Generalstab unter General Lemnitzer in einer geheimen Analyse bereits im Vorfeld einen Erfolg als "sehr zweifelhaft" voraus, sprach dann jedoch im offiziellen Papier gegenüber Verteidigungsminister McNamara von einer "großen Chance". Historisch gesichert ist, dass Kennedy sich von der CIA durch die bewusst falsche Darstellung der Stimmung auf Kuba hintergangen fühlte und es Pläne gab, der CIA durch Stärkung der NSA ihren bis dahin unangefochtenen Einfluss auf die US-amerikanische Regierungspolitik zu nehmen. 
 
Am 20. April 1961 hielt Kennedy eine Ansprache vor der American Society of Newspaper Editors. Er übernahm die volle Verantwortung in seiner Position als Leiter der Regierung der Vereinigten Staaten. Am Folgetag zitierte er im Rahmen seiner News Conference No.10 vor Vertretern der Presse das alte Sprichwort: "Der Sieg hat 100 Väter und die Niederlage ist ein Waisenkind". Das sofortige Eingestehen der Schuld in der öffentlichen Wahrnehmung sollte der Popularität des Präsidenten nicht schaden. Im Gegenteil: Kennedys Umfragewerte stiegen in den Folgemonaten gegenüber der Zeit vor der Invasion sogar noch an. Intern jedoch wusste Kennedy ganz genau, wer ihm den Schlamassel eingebrockt hatte. Zwar ärgerte er sich auch sehr über sich selbst und die Tatsache, dass er zu leichtgläubig gegenüber der CIA und den Militärs war. Aber gerade vom Geheimdienst fühlte er sich falsch informiert und hintergangen. Er wartete noch einige Zeit, bis sich die aus der Invasion resultierende Polemik etwas abgeschwächt hatte, bevor er daran ging, den ganzen Geheimdienst neu zu strukturieren. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder die Aussage auf, er wolle die CIA "in tausend Stücke zerschlagen und in alle Winde verstreuen." Einen genauen Nachweis für dieses Zitat gibt es jedoch nicht. Den damaligen Direktor Dulles entlässt Kennedy nach einigen Monaten, nimmt ihn persönlich jedoch in Schutz. Öffentlich sagt Kennedy zu seinem Vizepräsidenten, der Dulles stark kritisiert hatte: "Lyndon, Sie dürfen nicht vergessen, dass wir alle im selben Boot sitzen; als ich die Verantwortung für die Operation übernahm, habe ich sie voll und ganz auf meine Schultern geladen. Ich meine, wir dürfen die Verantwortung nicht herumschieben oder uns in Beschimpfungen ergehen, auch wenn wir Grund dazu hätten."

Persönliche These des Verfassers:

Kennedy war durch die Bilder getöteter und in Gefangenschaft geratener Exilkubaner bis ins Mark erschüttert. Zwar fühlte er sich von den Geheimdiensten und den Militärs falsch informiert und somit schlecht beraten, ärgerte sich jedoch mehr über sich selbst. So soll er gesagt haben: "In meinem ganzen Leben wollte ich niemals von Experten abhängig sein. Wie konnte ich nur so dumm sein und ihnen freie Hand gewähren?

Rückblickend könnte die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht jedoch auch so etwas wie die verpatzte Generalprobe vor der eigentlichen Uraufführung gewesen sein. Kennedy war der jüngste je ins Amt gewählte Präsident und nur mit mangelhafter Erfahrung ausgestattet. Doch er war auch sehr intelligent und insbesondere lernfähig. Und genau diese Attribute in der Kombination mit den Erfahrungen aus der Schweinebucht könnten im Konflikt im Rahmen der sogenannten "Kubakrise" von 1963 den Ausschlag für die erfolgte friedliche Lösung gegeben haben. Denn nun war Kennedy nicht mehr so ohne Weiteres bereit, sich von kampfwütigen Militärstrategen oder mit Eigeninteressen behafteten Geheimdienstkräften in eine kriegerische Auseinandersetzung treiben zu lassen, die nach aller Wahrscheinlichkeit in einer nuklearen Katastrophe geendet hätte. Seine Besonnenheit und Durchsetzungskraft könnten also tatsächlich ein Resultat jener vermeintlichen ersten Niederlage gewesen sein. Somit hätten jene Ereignisse im April 1961, in deren Verlauf leider rund einhundert Menschen ihr Leben verloren, vielleicht letztlich doch dazu geführt, dass nur gut ein Jahr später tausende von Leben verschont blieben. ♦


Persönliche Homepage des
Kennedy-Sammlers

Peter W. Klages