Edward "Ted" Moore Kennedy

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Edward "Ted" Moore Kennedy, Sr. wurde am 22. Februar 1932 als jüngstes von neun Kindern von Joseph Patrick Kennedy, Sr. und Rose Fitzgerald Kennedy im St. Margarets Hospital, 90 Cushing Avenue in Dorchester (einem Stadtteil von Boston), Massachusetts geboren.

Ted absolvierte ein juristisches Studium und machte dabei Abschlüsse an der Harvard University (1956), der International Law School in Den Haag (1958) und der Law School der University of Virginia (1959). Dabei wurde er 1950 zusammen mit einem Kommilitonen von Harvard verwiesen, da er dessen Spanisch-Test übernahm. Beide durften jedoch nach einer Bewährungsfrist ihr Studium wieder aufnehmen.

Im Juni 1951 trat Ted in den Militärdienst ein. Er absolvierte die Grundausbildung in Fort Dix, New Jersey. Dann bat er selbst um die Versetzung zum Army Geheimdienst Training im Fort Holabird, Maryland, was jedoch nach wenigen Wochen ohne Angabe von Gründen abgebrochen wurde. Anschließend ging er zur Militärpolizei nach Camp Gordon, Georgia, von wo aus er nach Paris versetzt wurde. Der Intervention seines Vaters soll er es angeblich zu verdanken gehabt haben, dass er nicht in den Koreakrieg ziehen musste. Im März 1953 beendete er schließlich seine militärische Laufbahn im Rang eines Gefreiten und setzte seine schulische Ausbildung fort.

Während seines zweiten Jahres an der juristischen Fakultät traf Ted im Oktober 1957 am Manhattanville College auf Joan Bennett. Joan war ungeübt in den höheren Kreisen und hatte keinen Bezug zur Politik. Trotzdem heirateten die beiden am 29. November 1958 in New York und hatten gemeinsam drei Kinder. Doch die außerehelichen Beziehungen von Edward sowie der steigende Alkoholkonsum von Joan führten zu ständigen Spannungen und so ließ sich das Paar schließlich 1982 scheiden. Am 17. Juni 1991 lernte Ted auf einer Dinner-Party die Tochter eines alten Verbündeten der Kennedy-Familie kennen. Victoria Anne Reggie war eine Anwältin aus Washington, D.C. und eine geschiedene Mutter zweier Kinder. Sie fingen an, sich regelmäßig zu sehen und wurden im März 1992 ein Paar. Am 03. Juli 1992 heirateten sie; Kinder gingen aus dieser Ehe nicht hervor.

1960 unterstützte er erfolgreich den Präsidentschaftswahlkampf seines älteren Bruders John. 1962 wurde er vom Staat Massachusetts in den US-Senat berufen und anschließend siebenmal wiedergewählt. Somit hatte er den Senatssitz bis zu seinem Tod im Jahre 2009 inne. Ted sprach sich stets für eine Reform der Einwanderungsgesetze aus, außerdem setze er sich in den 60er Jahren für die Rechte der Schwarzen und eine Beendigung des Vietnam-Kriegs ein. In den 60'ern, nach dem Tod John F. Kennedys, und in den 70'ern, nach Richard Nixons Rücktritt, lehnte er eine Präsidentschaftskandidatur ab und scheiterte schließlich 1980 bei den Vorwahlen.

Am 19. Juni 1964 war er trotz schlechten Wetters  zu einer politischen Veranstaltung nach Washington geflogen. Auf dem Rückweg nach Massachusetts stürzte die Maschine beim Landeanflug in eine Apfelplantage. Dabei wurde der Pilot und ein Mitarbeiter des Senators getötet. Kennedy selbst konnte aus dem Wrack geborgen werden und erlitt schwere Rückenverletzungen, eine punktierte Lunge und mehrere gebrochene Rippen. Er verbrachte einige Monate im Krankenhaus und fing während der Rehazeit an, sich für die Bereitstellung von Gesundheitsleistungen zu interessieren. Dieses Thema, sowie seine durch den Unfall verursachten Rückenschmerzen, sollten ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigen. Bis zu seiner Erholung übernahm seine Frau Joan einen großen Teil seiner Werbetätigkeit für die anstehenden Senatswahlen und er konnte schließlich seinen Sitz erfolgreich verteidigen.

Obwohl erfolgreich als Senator reichte es zur Präsidentschaft nicht. Ursächlich hierfür dürfte wohl auch – wenn nicht sogar hauptsächlich – ein Vorfall vom 18. Juli 1969 gewesen sein: Kennedy steuerte auf der Insel Chappaquiddick einen PKW und verlor dabei die Kontrolle über das Fahrzeug, welches von einer Brücke in einen Fluss stürzte. Dabei ertrank seine Beifahrerin, die 29-jährige Sekretärin und Wahlkampfhelferin Mary Jo Kopechne. Kennedy selbst konnte sich retten, verließ jedoch den Unfallort und informierte erst zehn Stunden später die Behörden. Der Senator bekannte sich im Rahmen einer Gerichtsverhandlung für schuldig des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Es konnte nicht abschließend geklärt werden, ob eine frühere Aktivierung der Rettungskräfte den Tod Kopechnes hätte verhindern können. Daher wurde auch keine Anklage wegen Totschlags erhoben und Kennedy kam mit zwei Monaten Haft auf Bewährung davon. Mit der Familie des Opfers einigte er sich auf eine finanzielle Entschädigung in Höhe von insgesamt rund 140.000 $.

In den 80er Jahren folgten weitere Schicksalsschläge, die u.a. zur Trennung von seiner ersten Frau Joan führten und bei ihm selbst Alkoholprobleme auslösten. 1992 heiratete er seine zweite Frau Victoria und sein Leben stabilisierte sich in der Folgezeit deutlich.

Kennedy erhielt den Spitznamen "Löwe des Senats". Er galt in der Folgezeit als einer der einflussreichsten und beliebtesten Politiker in Washington. Er wurde einer der schärfsten Kritiker der Bush-Regierung, insbesondere was den Irakkrieg betraf, und machte sich 2004 für die Wahl von John Kerry zum Präsidenten stark. Im Gegensatz allerdings zu Kerry stimmte Kennedy im Senat gegen den Irakkrieg. Während der Vorwahlen der Demokraten zur US-Präsidentschaftswahl 2008 erklärte er seine Unterstützung für Barack Obama. Sein eigenes Schwerpunktprojekt war die Reformierung des amerikanischen Gesundheitssystems.

Im Mai 2008 wurde bei Kennedy ein bösartiger Hirntumor (ein sogenanntes Glioblastom) diagnostiziert. Es folgten Behandlungen in Form von Operation und Chemotherapie. Weniger als zwei Monate später nahm er bereits wieder an einer Abstimmung im Senat teil. Bei den Vereidigungsfeierlichkeiten für den neuen Präsidenten Obama am 20. Januar 2009 erlitt der Senator einen Schwächeanfall. Ab Mai zog er sich weitgehend von der politischen Bühne zurück. Im selben Jahr wurde er von der britischen Regierung in Anerkennung seiner Verdienste um den Friedensprozess in Nordirland und für die britisch-US-amerikanischen Beziehungen zum Ritter (Knight) ernannt. Ebenfalls 2009 erhielt er von Präsident Obama die Presidential Medal of Freedom.

Am 25. August 2009 erlag Edward Kennedy in seinem Haus in Hyannis Port seinem Krebsleiden. Er wurde auf dem Ehrenfriedhof von Arlington - nur wenige Schritte von seinen Brüdern John (†1963) und Bobby (†1968) entfernt – beerdigt. ♦


Persönliche Homepage des Kennedy-Sammlers
Peter W. Klages