Der Ehemann

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John F. Kennedy und Jacqueline Lee Bouvier trafen erstmals bei einem Abendessen im Hause des mit beiden befreundeten Journalisten Charles Bartlett in Washington aufeinander. Es war im Mai 1951 und der zukünftige Präsident war zu diesem Zeitpunkt noch Kongressabgeordneter. Zwar sahen sich die beiden in der Folgezeit öfter, aber es war wohl nicht die berühmte "Liebe auf den ersten Blick". Erst zu Anfang des Jahres hatte Jackie ihr Studium abgeschlossen und nahm direkt im Anschluss eine Stellung als Fotografin und Journalistin bei der Zeitung Washington Times-Herald an. Privat verlobte sie sich im Dezember des selben Jahres mit dem Börsenmakler John Husted, löste diese jedoch bereits drei Monate später wieder auf.

Jack & Jackie, wie sie später immer wieder gerne von der Presse genannt wurden, trafen sich in den nächsten Monaten häufiger. Nachdem Jack im November 1952 die Senatswahlen für sich entscheiden konnte, wurde Jackie von ihrem Arbeitgeber im Rahmen eines Interviews mit dem frischgebackenen Senator als Fotografin eingesetzt. Doch Kennedy schien es nicht wirklich eilig zu haben, seine Freiheit aufzugeben. Hatte er zu diesem Zeitpunkt doch schon einen gewissen Ruf als Schürzenjäger und war darüber hinaus durch den Wahlkampf auch weitgehend eingebunden. Wenn es nun jedoch mit der politischen Karriere weiter bergauf gehen sollte, musste auch Solidität zur Lebensfreude hinzukommen – und dies wusste keiner besser als sein Vater Joe. Sein Sohn musste nun heiraten und eine Familie gründen. Immerhin wurde er im Mai 1953, kurz nach dem Einzug in den Senat, bereits 36 Jahre alt. Und da er sich darüber hinaus auch noch tatsächlich verliebt zu haben schien, machte er seiner zukünftigen Braut schließlich im Juni 1953 den Antrag.

Die Hochzeit fand am 12. September 1953 in der St. Mary's Catholic Church in Newport, Rhode Island statt. In der Nähe befand sich das Anwesen der "Hammersmith Farm", welches Jackies Stiefvater gehörte und sich sehr gut für die Ausrichtung der Feierlichkeiten eignete. Es war die Hochzeit des Jahres im Land und Vater Joe sorgte dafür, dass sie auch als solche wahrgenommen wurde. Mit seinen Verbindungen hatte er für eine umfangreiche Präsenz von Fotografen und Reportern gesorgt; der größte Coup war die Berichterstattung über das Ereignis auf der Titelseite der Sonntagsausgabe der New York Times. Vor der Kirche drängelten sich rund 3000 Schaulustige und die Gästeliste bestand aus über 1200 meist illustre Namen. Die Kennedys hatten den gesamten Senat eingeladen, dazu weitere Prominente aus der Politik, dem Showbusiness und natürlich der katholischen Kirche. Dem sozialen Status der Familie entsprechend las der Erzbischof von Boston, Kardinal Richard Cushing, die Messe. Gut zehn Jahre später hielt dieser auch die Traueransprache bei der Beerdigung des ermordeten Präsidenten. Trauzeugen waren Bobby Kennedy für seinen Bruder und ihre Schwester Lee für Jackie. Die Hochzeitsnacht verbrachten sie im Waldorf Astoria in New York und die Flitterwochen in Acapulco und Kalifornien.

Licht und Schatten wechselten sich in den folgenden Ehejahren ab. Ihre gegenseitige Liebe mag wohl kaum bezweifelt werden, aber ihr gegenüber stehen einige schwer vereinbare Gegensätze. Jackie verachtete die Politik eigentlich, sah viele politische Gesprächspartner als unkultiviert und mit mangelhaften Manieren ausgestattet an und kritisierte die häufigen und manchmal langen Abwesenheiten ihres Mannes. Auf der anderen Seite hatte Jack wohl Probleme damit, sich von seinem früheren, ungezwungenen Lebenswandel zu trennen. Zu einer ehelichen Krise kam es wohl insbesondere im Spätsommer 1956 durch die Abwesenheit ihres Mannes, während Jackie mit Töchterchen Arabella eine Totgeburt erlitt. In dieser Zeit kamen auch erste Gerüchte einer möglichen Trennung in den Medien auf. Wohl wissend um den damit verbundenen politischen Tod seines Sohnes soll nun Vater Joe interveniert und auf Jackie entsprechend eingewirkt haben.

Doch auch während der Präsidentschaft soll es zu einigen außerehelichen Beziehungen gekommen sein. So taucht in diesem Zusammenhang immer wieder der Name Judith Campbell auf, die von sich selbst behauptete, eine Geliebte des damaligen Präsidenten gewesen zu sein. Dies war insbesondere dadurch prekär, dass sie gleichzeitig zum engeren Kreis um die Mafiagröße Sam Giancana gehörte. In ihren Aussagen in späteren Jahren widersprach sie sich jedoch immer wieder, insbesondere was die Verbindung zwischen ihr, dem Präsidenten und der Mafia anging. FBI-Chef Hoover soll bezüglich dieser Affäre persönlich mit Kennedy gesprochen haben, der den Kontakt daraufhin beendet habe.

Für gefährlich hielt der FBI-Direktor auch Kennedys Beziehung zu Marilyn Monroe, der damals schönsten Frau Amerikas. Neue, inzwischen veröffentlichte Unterlagen zeigen, dass das FBI die Schauspielerin am Höhepunkt des Kalten Krieges für eine Sympathisantin der Kommunisten hielt. Nach wie vor halten sich Gerüchte, dass der Selbstmord Marilyn Monroes mit den Kennedys zu tun hatte - angeblich hatte der Präsident die Affäre beendet. Darüber hinaus wurde auch immer wieder kolportiert, nicht nur der Präsident, sondern auch sein Bruder und Justizminister Robert Kennedy hätte eine Affäre mit der Schauspielerin gehabt.

Auch eine weitere Dame geriet in das Visier des FBI: Ellen Rometsch. Das ehemalige deutsche Fotomodel soll im Sommer 1963 eine Beziehung zu dem Präsidenten gehabt haben. Kurzzeitig geriet sie in den Verdacht, eine ostdeutsche Spionin zu sein, was jedoch nie bewiesen werden konnte. Justizminister Robert Kennedy ließ sie im August 1963 in die Bundesrepublik ausweisen. Der Name des Präsidenten tauchte in diesem Zusammenhang in der Öffentlichkeit jedoch nicht auf. Eine Presseerklärung zu ihrer Person und den Umständen ihrer Ausweisung wurde am Vormittag des 22. November 1963 veröffentlicht – nur wenige Stunden vor dem Attentat in Dallas.

Ein viel größeres Problem für Jackie war jedoch wahrscheinlich die ansteckende Chlamydieninfektion ihres Mannes, welche er sich wohl bereits während seiner Hochschulzeiten eingefangen hatte. Auch wenn die entsprechenden urologischen Krankenunterlagen weiterhin unter Verschluss sind, so gilt doch als sehr wahrscheinlich, dass eben jene Erkrankung für die vielen Geburtskomplikationen bei seiner Frau als ursächlich anzusehen sind. Ebenso gehen einige Wissenschaftler und Historiker heute davon aus, dass die Unmenge an Medikamenten, welche John F. Kennedy über all die Jahre zu sich nehmen musste, ihren Anteil am Verhalten des Präsidenten hatten. Denn die Behandlung mit Testosteron und Cortison hatte in der Tat eine besondere Nebenwirkung – nämlich eine Steigerung des Sexualtriebs.

Und dennoch: die Ehe war trotz der immer wiederkehrenden Krisen und vieler Enttäuschungen, die Jackie als Frau auch später noch erleiden musste, keine bloße Fassade für die Öffentlichkeit, keine reine Show zum Zweck einer politischen Karriere. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr sich beide achteten, wie sehr Jack das Urteil seiner Frau schätzte, wie stolz er war, sie an seiner Seite zu haben – und wie sehr Jackie ihren Mann bewunderte. Es war eine besondere Art von Liebe, für Außenstehende kaum zu ergründen, aber dennoch vital genug, um gemeinsam die Triumphe und Tragödien zu überstehen, die sich in den nur zehn Jahren, zwei Monaten und zehn Tagen dieser Ehe von John Fitzgerald Kennedy und Jacqueline Lee Bouvier Kennedy ereigneten. ♦
29.05.2017 15:00 Uhr
100. Geburtstag von
John F. Kennedy
 
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Persönliche Homepage des Kennedy-Sammlers
Peter W. Klages